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Globalisierung2008 / Entwicklungshilfe-Moderner Imperialismus

!!Finanzielle Entwicklungshilfe-Moderner Imperialismus


Information

' Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit


Ist die Entwicklungshilfe der Industriestaaten moderner Imperialismus?

Um dies zu klären müsste man wissen, was Imperialismus ist. Dieser Begriff beschreibt das Streben wirtschaftlich starker Staaten neue Absatzmärkte zu schaffen bzw. zu dominieren.


Entwicklungshilfe wird auf verschiedene Weisen vergeben:

  1. Durch Geld an die jeweilige Regierung
  2. Durch Geld an Firmen
  3. Durch Materialspenden (Nahrungsmittel, Technik usw.)
  4. Über Kredite des Internationalen Währungsfonds

Das Problem dabei ist, dass sich die Empfangsstaaten in Abhängigkeiten begeben.


Geld an korrupte Führungsgruppen

Bei der ersten Art besteht ein Risiko darin das Geld an korrupte Führungsgruppen zu geben, die nur Nutzen für sich selbst daraus ziehen.Dies äußert sich zum Beispiel dadurch, dass diese das Geld in Waffen investieren um ihren Machterhalt zu sichern. Zwar sind die Zahlungen zumeist an Bedingungen geknüpft,aber dies lässt sich in manchen komplexen Systemen nur schwer überwachen.


Kapital an Unternehmen

Eine weitere Möglichkeit, Entwicklungshilfe zu leisten, ist die Vergabe von Kapital an Firmen, damit diese sich in dem zu förderndem Staat ansiedeln. Dies geschieht jedoch meist nur an Firmen, die ihren Stammsitz im jeweiligen Geberland haben.

Das Geberland geht aber das Risiko ein, dass diese Firmen ihre "teuren" Stellen im Geberland in das "Billig-Lohn-Land" auslagern. Dieses läuft seinerseits Gefahr keine eigene Wirtschaft aufzubauen oder seine Ressourcen von den ausländischen Firmen fördeern zu lassen, wobei das Entwicklungsland nur einen Bruchteil des Gewinns in Anspruch nehmen kann. Des Weiteren können die Firmen nach Ablauf der vertraglichen Frist für die Subventionen problemlos in andere, billigere Länder umziehen können.


Humanitäre Spenden

Ein weiteres Beispiel, welches zwar gut gemeint, aber schlecht gemacht ist, ist die Spende von privaten Organisationen (wie Brot für die Welt), die Brot und andere Lebensmittel (außer Wasser) in ärmere Gebiete schicken.

Dies macht nur in Krisensituationen(z.B. Umweltkatastrophen, Krieg) Sinn, da im Normalfall die Leute die Spende annehmen, aber im Endeffekt nur ein wenig mehr zu sich nehmen. Dadurch werden örtliche Produzenten ihre Waren nicht mehr los, so dass diese entweder ruiniert werden oder im nächsten Jahr nicht mehr anbauen, da sich dieses nicht mehr lohnt.

Es können aber auch technische Hilfsgüter gestiftet werden. Der Nachteil ist, dass diese mit ihrer Komplexität nach einem Defekt schwer wieder in Stand zu setzen sind, da meistens auch benötigte Ersatzteile fehlen.


Kredite

Als abschließendes Beispiel zur Unterstützung von Entwicklungsländern wären Kredite von Staaten oder Staatengemeinschaften und deren Organisationen(wie dem IWF) zu nennen. Diese haben zwar den Vorteil der kurzfristigen Hilfe, lassen aber das Empfängerland in eine Abhängigkeit geraten. Zudem sind auch wieder Bedingungen an die Vergabe geknüpft, da die Geber mitgestalten wollen.

Als Negativ-Beispiel lässt sich der "Wasserkrieg" in Cochabamba, der drittgrößten Stadt Boliviens, im Jahre 2000 aufführen: Um einen Kredit über 25 Mio. US-Dollar vom Internationalen Währungsfonds(IWF) zu bekommen, sollte Bolivien das bisher staatliche Wassernetz in Cochabamba privatisieren.

Schnell setzte sich als Meistbietender die bisher noch unbekannte Firma Aguas del Tunari mit einem 40-Jahr-Mietvertrag über die alleinigen Rechte über die Wasservorkommen in Cochabamba für 2,5 Mrd. US-Dollar durch.

Dies klang vorerst nach einem guten Geschäft für die Regierung. Bald jedoch wurden die Wasserpreise um monatlich durchschnittlich 35% erhöht, so dass schließlich viele Leute mehr für Wasser ausgaben als für Nahrungsmittel. Die Wassergebühren kosteten dadurch vielen Einwohnern ein Drittel ihres Einkommens.

Hinzu kam das Verbot des Sammelns von Regenwasser ohne Konzession. In Cochabamba hatte man sozusagen selbst den Himmel privatisiert.

Durch die Erhöhungen regte sich langsam aber stetig wachsender Widerstand in der Bevölkerung, der sich in Demonstrationen äußerte. Als dann herauskam, dass hinter der unbekannten Firma Aguas del Tunari der milliardenschwere US-Konzern Bechtel stand, gingen immer mehr Menschen auf die Straße und riefen einen Generalstreik aus, so dass die Situation für die Regierung nicht mehr zu kontrollieren war.

Deshalb wurde gegen die Demonstranten mit polizeilicher Waffengewalt vorgegangen, was sich bei der großen Anzahl der Demonstranten als uneffektiv herausstellte, worauf das Kriegsrecht ausgesprochen wurde.

Bei den darauffolgenden Straßenschlachten wurden isgesamt 7 Menschen getötet und Hunderte verletzt. Kurz darauf nahm die damalige Regierung die Privatisierung zurück.


Entwicklungshilfe - moderner Imperialismus?

Letztendlich kann man sagen, dass Entwicklungshilfe zwar unter guten Aspekten geführt wird, aber sehr leicht ausgenutzt wird. Des Weiteren werfen Ereignisse wie in Cochabamba ein schlechtes Licht auf die Hilfe leistenden Organisationen.

Um die Leitfrage zu beantworten: Ja, man kann es einen modernen Imperialismus nennen, wobei man aber differenzieren muss. Denn wenn man den Entwicklungsländern damit hilft, dass sich Firmen ansiedeln, wodurch eine Infrastruktur geschaffen wird und sie dadurch stärker werden, dann kann man mit ihnen einen guten Handel treiben, von dem jeder etwas hat.

Jedoch gibt es auch eine Kehrseite der Medaille: Wenn nämlich so verfahren wird, wie die USA es im letzten Jahrhundert bis einschließlich heute tun. So sind US-amerikanische Firmen in die latein-amerikanischen Länder expandiert, vorwiegend um Südfrüchte anzubauen. Viele Kleinbauern sind dadurch ruiniert worden, weshalb sie ihr Land an eben diese Firmen verkauften und neue Arbeit fanden. Dies jedoch für recht wenig Lohn, so dass einige Regierungen widerstrebten. Dagegen gab es dann die CIA, die den USA freundlich gesinnten, aber keineswegs immer demokratischen Oppositionsgruppen zum Putsch verhalf, so dass United Fruits und co. freie Bahn hatten, die Länder weiter auszubeuten.


Welt-Handelsordnung

Ein zusätzliches aber keineswegs kleineres Problem für Entwicklungsländer ist die Aufrechterhaltung der Schutzzölle in den großen Wirtschaftsräumen von Europa und der USA, vor allem im Agrar-Sektor:

Denn die meisten Entwicklungsländer haben nur einen Produktionssektor - eben den der Landwirtschaft. Dies kann auch sein, wenn dieses Land Ressourcen hat, da diese meist von ausländischen Firmen gefördert werden. Jedenfalls kann dieses Land damit kein Geld verdienen und sich somit nicht entwickeln, da die Schutzzölle häufig so hoch sind, dass dadurch selbst Nahrungsmittel aus Billig-Lohn-Ländern teurer sind als die aus den entwickelten, gescchützten und teureren Märkten.

Hinzu kommen Einfuhrbeschränkungen, die jedoch weitestgehend aus hygienischen Gründen betrieben werden.

FairTrade wäre ein Lösungsmittel.