Kohlbergs Modell: Dilemmata und Anwendung
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Just Community-Schulen
In diesen Schulversuchen soll auf der Grundlage der Kohlbergschen Moralentwicklung gearbeitet werden.
Lesehinweise.
- Ein Erfahrungsbericht
- Just community im Kindergarten und in der Grundschule
- Schulversuche Rheinland-Pfalz
- Grundlagentext nach Stangl
Aufgaben 13.11.2008, 5. u. 6. Std., F 111
Bearbeitung der Aufgaben bitte schriftlich!
- Beschreibe zu jeder Stufe der moralischen Entwicklung nach Kohlberg eine beispielhafte Situation.
Beispielsituationen zur Stufentheorie des moralischen Verhaltens
Ebene 1: Präkonventionelle Moral
Stufe 1: Die heteronome Stufe:
Michel besucht seit diesem Jahr den Kindergarten. Bei einer Walderkundung machen seine Freunde Florian und Klaus immer wieder Blödsinn, worauf sie ständig von ihrer Betreuerin ermahnt werden.
Als die Gruppe beim Abenteuerspielspatz ankommt, holt Florian ein Feuerzeug von seinen Eltern heraus und er und Klaus fangen an die Pflanzen auf dem Spielplatz anzuzünden. Michel schaut sich dies einige Minuten interessiert an und überlegt sie dem bunten Treiben anzuschließen.
Dann denkt er jedoch an mögliche Strafen, wie zum Beispiel der Ausschluss aus der Gruppe da Feuerzeuge und Streichhölzer streng verboten sind.
2. Stufe: Stufe des Individualismus:
Die Adventszeit nähert sich und heute steht beim Kinderkreis das alljährliche Keksessen auf dem Plan. Jedes Kind sollte eine große Dose Kekse mitbringen, die dann alle zusammen gefuttert werden sollten. Moritz geht auch zu dieser Gruppe und hat immer viel Spaß bei den spielerischen Nachmittagen, doch seine Eltern sind Alkoholiker und trinken von morgens früh bis abends spät.
Und so hat Moritz keine Kekse, die er mitbringen könnte und steht, kurz bevor es losgeht, allein in der Ecke und schämt sich. Konstantin, dessen Mutter Konditorin ist, bekommt dies mit und geht zu Moritz. Moritz gibt beschämt zu, dass er keine Kekse mit hat und fängt an zu weinen.
Konstantins Mutter hatte ihrem Sohn sogar zwei Keksdosen eingepackt, eine mit den leckersten Schokokeksen und eine mit Vanillekipferl. Konstantin zögert nicht lange und gibt Moritz die Dose mit den Schokokeksen. Daraufhin verbringt die Gruppe einen wunderschönen Nachmittag und alle sind von Moritz Keksen begeistert.
Ebene 2: Konventionelles Niveau
Stufe 3: Die Stufe gegenseitiger interpersoneller Erwartungen, Beziehungen und interpersoneller Konformität
Bereits seit dem Kindergarten sind Lars und Tim die besten Freunde und gehen durch dick und dünn miteinander. Auf dem Gymnasium wurden die beiden jedoch in der 5. Klasse getrennt und der Kontakt verringerte sich. So sind beide umso glücklicher, als sie in der neunten Klasse endlich wieder zusammen sind.
Doch irgendwas hatte sich bei Tim verändert. Früher erbrachte er immer Spitzenleistungen, doch jetzt ist er eher faul, bemerkt Lars schnell. Doch auch sein soziales Umfeld scheint sich stark verändert zu haben. Eines Abends macht Lars einen romantischen Spaziergang mit seiner Freundin Clara, als er Tim in totalem Rausch auf einer Parkbank liegen sieht. Lars eilt zu seinem Freund und stützt ihn mit Claras Hilfe zu sich nach Haus.
Tim ist sehr dankbar, dass Lars ihn mitgenommen hat. Besonders da Tims Eltern sehr streng sind, aber doch jeden Abend früh zu Bett gehen. Lars hält das ganze für einen Ausrutscher und redet nicht weiter mit Tim darüber.
Nach einigen Wochen steht die erste Klassenparty an und alle amüsieren sich prächtig. Einige 16-Jährige haben ein wenig Mischbier besorgt und die Party nimmt ihren Lauf. Lars bemerkt irgendwann, dass Tim fehlt und geht ihn besorgt suchen.
Hinter einer Ecke sieht Lars Tim und schlägt ihm entsetzt den Joint aus der Hand und muss bestürzt feststellen, dass auch noch eine fast leere Wodkaflasche neben Tim auf dem Boden steht. Tim, vollkommen zugedröhnt, erkennt seinen Freund und hält Lars die Wodkaflasche hin. Lars lehnt ab und versucht mit seinem Freund zu reden. Dies scheitert natürlich und Lars bringt Tim nach Haus.
Bereits am nächsten Morgen steht Lars bei Tim vor der Haustür und die beiden unterhalten sich über den Abend. Lars macht Tim klar, dass er ein Alkohol- und Drogenproblem hat und dass er dringend Hilfe benötigt. Tim schüttet Lars sein Herz aus und ist bereit eine Therapie zu machen.
Jenny & Jan
Gruppe 1:
Gabi Kobs, Nina Garben, Lars Schmidt, Marcel Klemme
Gruppe 2:
Lisa Fischer & Niklas Weinhagen
In aller Freundschaft
Andreas bekommt von seiner Tante ein Skate-Board geschenkt, das er sich immer schon
gewünscht hatte. Er sucht Anschluss an eine Gruppe von Skateboard-Fahrern, die eine
Mutprobe von ihm fordern. Er soll ein Zeichen geben, wann ein LKW sich nähert, damit die
anderen sich auf ihren Boards daran anhängen können. Einer der Jugendlichen verunglückt
dabei und wird mit Querschnitt-Lähmung ins Krankenhaus eingeliefert, in dem Andreas’ Vater
als Arzt tätig ist. Der Anführer der Gruppe nötigt Andreas das Versprechen ab, zu
schweigen und droht ihm andernfalls mit Sanktionen. Andreas, der ein schlechtes Gewissen
hat, geht zu seiner Schwester und bittet sie um Rat. - Was soll sie ihm sagen?
(nach: In aller Freundschaft, ARD 12.02.01)
Gruppe 1:
- sie sollte ihm sagen, dass er auch seinem Vater davon erzählen muss
- Andreas sollte sich nicht einschüchtern lassen
- er soll Stärke zeigen und die Wahrheit sagen
- seine Schwester sollte Verständnis zeigen
Gruppe 2:
- Es muss gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten eine Lösung gefunden werden
- Andreas sollte aus Nachhaltigkeitsgründen die Schuld der anderen Gruppenmitglieder nicht verschweigen, muss aber auch seine eigene Leichtsinnigkeit zugeben
- Stufe 2. Andreas muss dem Bedürfnis der Gerechtigkeit dienen. Jeder soll eine gerecht Strafe erhalten.
Unschuldig verfolgt
Denken wir uns also etwa, ein unschuldig Verfolgter sei von einem ihm nahestehenden
mutigen Freunde heimlich an einen verborgenen Platz gebracht worden, wo er sich
einstweilen sicher fühlen kann, und dieser Freund werde von den Verfolgern aufgesucht und
nach dem Aufenthaltsort seines Schützlings befragt. Wie wird er sich verhalten?
(Max Planck, Vom Wesen der Willensfreiheit, in: Vorträge und Erinnerungen, Darmstadt 1949, S. 304)
Gruppe 1:
- der Freund wird seinen Schützling aus Selbsterhaltungstrieb verraten
- bei einem starken Charakter wird er diesen jedoch nicht verraten
Gruppe 2:
- Je nachdem, welche Druckmittel die Täter einsetzen, wird er sich selber oder seinen zunächst beschützten Freund in Gefahr bringen. Die Entscheidung hängt außerdem von der Charakterstärke und Loyalität ab.
- Stufe 3. Der mutige Freund wird sich um seinen Freund kümmern und sich ihm gegenüber loyal verhalten.
Euthanasie im 3. Reich
Im Jahre 1941 standen ein deutscher Arzt wie viele seiner Kollegen vor folgender
Entscheidung: Er wurde aufgefordert, bei der Tötung von Geisteskranken mitzuwirken, indem
er Kranke in Verlegungslisten einträgt und damit zur Tötung freigibt. Der Arzt überlegte, ob er
der Aufforderung nachkommen soll; er sah die Chance, durch entsprechende Gutachten
einen Teil der Kranken, die von der Ermordung bedroht waren, zu retten. Wie hätte er sich
eurer Meinung nach entscheiden sollen?
(nach Robert Spaemann: Die schlechte Lehre vom guten Zweck, FAZ 23.10.1999)
Gruppe 1:
- er hätte sich nicht anders verhalten können, da er sonst wahrscheinlich selbst um sein Leben hätte fürchten müssen
- er sollte alles versuchen, die Kranken zu retten
Gruppe 2
:
- Nur ein gänzlich selbstloser, charakterstarker Mensch ohne zb Verantwortung für Familienmitglieder wird sich in diesem Fall der Gefahr aussetzen, selber bestraft zu werden. Denn wenn er die Kranken nicht auf die Liste setzt, dann tut es jemand anderes. Zu retten wären nur die wenigsten, auch wenn der Arzt vermutlich mit schlechtem Gewissen leben müste, kann ihm niemand grundsätzlich abverlangen, sein eigenes Leben in Gefahr zu bringen.
- Stufe 5. Um wenigstens einen kleinen Teil das Leben zu retten, muss sich der Arzt über Regeln hinwegsetzten. Hinzu kommt der Risikofaktor, der die Entscheidung stark beeinflusst.
Sterbehilfe
Eine Frau hat Krebs im fortgeschrittenen Stadium. Es gibt keine Chance mehr, sie durch eine
der bekannten medizinischen Behandlungsmethoden zu retten. Ihr Arzt weiß, dass sie nur
noch sechs Monate zu leben hat. Sie leidet unbeschreibliche Schmerzen und ist schon so
geschwächt, dass eine starke Dosis schmerzdämpfender Mittel ihren Tod bewirken könnte.
Sie erklärt ihrem Arzt, dass sie die Schmerzen nicht mehr ertragen kann und bittet ihn, ihr
doch soviel Morphin zu geben, dass sie endlich sterben könne. Der Arzt überlegt, ob er den
Wunsch der Frau erfüllen soll.
(nach Lawrence Kohlberg, Die Psychologie der Moralentwicklung, Frankfurt am Main 1995, S. 498)
Gruppe 1:
- aus Sicht der Frau sollte er es tun (der letzte Wunsch sollte erfüllt werden)
- für den Arzt kann es jedoch schlimme Folgen haben (Jobverlust,...)
- er sollte mit Familienangehörigen sprechen
- --> schwierige Frage: Einerseits möchte man der Frau helfen, andererseits ist dies ethisch nicht vertretbar
Gruppe 2:
- Der Wunsch der Frau sollte erfüllt werden. Zwar ist Sterbehilfe ethisch und moralisch umstritten, jedoch leidet nicht nur sie selber, sondern auch die Angehörigen mit ihrer unheilbaren Krankheit.
- Stufe 5. Um den Wunsch des Patienten gerecht zu werden, muss sich der Arzt über die Gesetzte stellen. Nur so dient er dem Wohl der Frau.
Präimplantationsdiagnostik
Nachdem Herr und Frau H. über zehn Jahre lang kinderlos geblieben sind, möchten sie ihren
Kinderwunsch durch In-vitro-Fertilisation erfüllen. Da in Frau H. Verwandtschaft in der
Vergangenheit eine Erbkrankheit aufgetreten ist, rät ihr der Arzt, die Embryonen vor ihrer
Einsetzung in die Gebärmutter mittels untersuchen zu lassen. Frau H. zögert. Darf man das
Erbgut selektieren und den Vererbungsvorgang bewusst steuern, also Eugenik betreiben?
Und was sollte sie tun, wenn sich herausstellte, dass alle drei durch künstliche Befruchtung
erzeigten Embryonen die Erbkrankheit in sich tragen? – Was würdet ihr Frau H. raten?
Gruppe 1:
- nein, man sollte keine Eugenik betreiben
- sie sollte sich die kranken Embryonen nicht einsetzen lassen
- sie sollte diese dann zur Forschung freigeben
Gruppe 2:
- Die Frau hat das Recht auf eine Untersuchung der Embryonen, und ist nicht in der Pflicht, sich einen kranken Embryo einpflanzen zu lassen.
- Stufe 2. Es ist das gerechte Bedürfnis der Frau ein gesundes Kind zu bekommen.
Forschung an Embryonen
Wie würden Sie sich entscheiden, wenn Sie sich beim Brand eines Krankenhauses vor die
Wahl gestellt sähen, entweder ein Baby oder zehn Embryonen zu retten? – Wie würden Sie
sich als Forscher entscheiden, wenn Sie die Möglichkeit hätten, durch sogenannte
verbrauchende Forschung an Embryonen Erkenntnisse zur Herstellung von Medikamenten zu
entwickeln, die später kranken Menschen das Leben retten könnten. – Sehen Sie einen
relevanten Unterschied zwischen beiden Situationen?
(nach Reinhard Merkel. Die Zeit 5/2001)
Gruppe 1:
- im ersten Moment würden wir das Baby retten, das bereits ein vollentwickeltes menschliches Wesen ist
- der Forscher weiß nicht, ob seine Forschungen einen Erfolg erzielen werden
Gruppe 2:
- Wir würden uns für die Rettung des Babys entscheiden, da die Embryonen sich in einer so frühen Phase der Entwicklung befinden, dass es sogar umstritten ist, sie als lebender Mensch anzuerkennen.
- Die Forschung ist eventuell nicht ausreichend ertragreich, um den leichtfertigen Umgang mit Embryonen zu legitimieren.
- Stufe 6. Man sollte nur Leben retten, von dem man weiß, dass es Zukunft hat. Die Embryonen können vllt. irgendwann mal einen Zweck erfüllen.
Medikamente gegen Aids
Am Landgericht Pretoria hat die Pharmaindustrie Klage gegen den Staat Südafrika eingereicht.
Angesichts der Aids-Epidemie, der wöchentlich 5000 Menschen zum Opfer fallen, ermöglicht
ein südafrikanisches Gesetz (dem Gesundheitsministerium) die Nachahmung von
patentgeschützten Arzneien. Hilfsorganisationen stehen in Kontakt mit einem indischen
Unternehmen, das Aids-Medikamente für ein Drittel des üblichen Preises anbietet. Bisher
betragen die Kosten für die Behandlung eines Aids-Kranken rund 15000 Dollar pro Jahr – ein
Mehrfaches dessen, was die Menschen in vielen afrikanischen Staaten verdienen. Die
deutsche Regierung forderte die Pharmakonzerne auf, ihre Klage zurückzuziehen. - Wie soll
Richter Bernard Ngoepe vom Landgericht Pretoria entscheiden? Was würdet ihr den
Pharmakonzernen raten?
(nach einer Pressemeldung vom 06.03.01)
Gruppe 1:
- der Pharmakonzern sollte seine Klage zurückziehen und seine Preise für die afrikanische Bevölkerung erschwinglich machen
Gruppe 2:
- Dem Pharmakonzern würde in einem Fall, bei dem es nicht um Leben und Tod ginge, recht gegeben, da die Herstellung derer Medikamente das Urheberrecht verletzt. Angesichts der ernsten Lage ist dem Pharmakonzern dringend zu raten, selber zu agieren, und jeder Bevölkerungssschicht die Möglichkeit zu geben, sich mit den Medikamenten zu versorgen.
- Stufe 4. Rechtlich gesehen sind die Pharmakonzerne im Recht. Doch ist es ihre Pflicht für das Wohl der Menschheit zu sorgen.
Genetischer Fingerabdruck
Zur Bekämpfung sexuell motivierter Straftaten hat die Bayerische Landesregierung
vorgeschlagen, die genetischen Daten aller Kriminellen, die wegen einer vorsätzlichen Straftat
im Gefängnis sitzen, zu erfassen und zentral zu speichern. Kritiker halten den Zwang, sich
einer DNA-Analyse zu unterziehen, für einen schwerwiegenden Eingriff in das
Persönlichkeitsrecht. Wie würden Sie als Abgeordneter bei einem entsprechenden
Gesetzesinitiative abstimmen?
(nach einer Pressemeldung vom 16.05.2001)
Gruppe 1:
- der genetische Fingerabdruck ist vertretbar, um Straftäter zu fassen
- der Fingerabdruck sollte nur bei kriminellen Personen genommen und gespeichert werden
- die Daten sollten vertraulich behandelt werden
Gruppe 2:
- Bei vertraulich behandelten Daten sollte der genetische Fingerabdruck von kriminellen Personen abgespeichert werden.
- In diesem Fall interessiert sich keiner für Erbkrankheiten o.ä., sondern nur die Übereinstimmung mit anderen DNA Proben ist relevant.
- Stufe 5. Da diese Maßnahme ein edles Ziel hat, sollte man sich über Regeln hinwegsetzten. Solang das nicht missbraucht wird.
Wohin mit der Brent Spar?
Die Firma Shell stand im April 1995 vor folgendem Dilemma: Die Brent Spar, eine Plattform von
29 m Durchmesser und 95 m Höhe, die als Zwischenlager für in der Nordsee gefördertes
Rohöl gedient hatte, sollte entsorgt werden. Eine Versenkung in Tiefwasser 250 westlich der
Äußeren Hebriden sollte gegenüber einer Demontage an Land eine Kostenersparnis von ca.
34 Mio. Pfund erbringen. Dafür erhielt die Firma auch eine vorläufige Genehmigung der
Britischen Regierung und die Zustimmung der Nordsee-Anreinerstaaten. Am 30. April
besetzten Aktivisten der Umweltorganisationen Grrenpeace die Brent Spar und forderten
einen Versenkungsverzicht, weil sie 130 Tonnen Ölschlamm und Giftmüll in der Plattform
vermuteten. Diese Aktion und ein anschließender Boykott-Aufruf gegen Shell-Tankstellen fand
große Resonanz in den Medien. – Versetzt euch in die Lage der Manager der Firma Shell. Wie
hättet ihr an ihrer Stelle entschieden?
(nach http://www.greenpeace.de/~Kampagnen/Öl und Offshore)
Gruppe 1:
- man sollte erst nach anderen Alternativen zur Rohölentsorgung suchen
- diese Art der Rohölentsorgung ist zu umweltschädigend
- wenn es keine andere Möglichkeit gibt, ist diese Entscheidung nachvollziehbar
Gruppe 2:
- Shell hat eine fahrlässige Umweltschädigung zu verantworten, die vermutlich aus Kostengründen entstanden ist. Der Manager sollte ab jetzt klare Zeichen für den Einsatz für die Umwelt setzen.
- Stufe 6. Der Umweltschutz ist eine universale Aufgabe, auch für die Manager. Sie müssen diesem Schutz dienen, obgleich das Verlust bedeutet.
Zeche Enkirchen
Das Verwaltungsgericht Saarlouis hat am 27.4.2001 der Klage auf Förderstop im Bergwerk
Enkirchen vorläufig stattgegeben. Zur Begründung führt es an, das Landesoberbergamt habe
die negativen Folgen des Steinkohleabbaus für die Anwohner nicht ausreichend geprüft. Der
Kläger fürchtet Schäden an seinem Haus und an seiner Gesundheit durch Bodensenkungen,
die im Nachbarort bis zu vier Metern betragen. Zwar werden die Bergschäden (Risse,
Einstürze usw.) durch die Zeche reguliert, die Lebensqualität der Anwohner ist jedoch stark
beeinträchtigt, weil sie auf einer ständigen Baustelle leben. Auf der Zeche müssen infolge des
vorläufigen Förderstops 1800 Kumpel Kurzarbeit leisten; insgesamt stehen 2700 Arbeitsplätze
auf dem Spiel. Deshalb hat die Deutsche Steinkohle AG hat gegen das Urteil Beschwerde
beim Oberverwaltungsgericht eingelegt. - Wie sollen die Richter sich entscheiden?
(nach ARD Tagesthemen, 30.04.2001)
Gruppe 1:
- Gesundheit geht vor (also Abbau der Zeche)
- wenn die Menschen bereit wären umzuziehen und die Stadt diese dann finanziell unterstützen würde, wäre der Erhalt der Zeche möglich
Gruppe 2:
- Die Sicherung der Arbeitsplätze ist wichtig, die Gesundheit der Anwohner geht jedoch vor. Entweder die Arbeiter oder die Anwohner müssen mithilfe staatlicher Mittel umgesiedelt werden.
- Stufe 2. Für beide Parteien muss es einen konkreten Austausch und eine faire Lösung geben.
Poletown
Folgendes Ereignis war Gegenstand eines Verfahrens vor einem Schwurgericht in den USA:
Eine neue Montagehalle sollte die Wettbewerbsfähigkeit des Automobilkonzerns General
Motors sichern helfen. Geeignete Bauplätze aber gab es nur außerhalb des Stammsitzes
Detroit, mit der Abwanderung drohten Tausende von Arbeitsplätzen verloren zu gehen. Die
Detroiter Stadtväter ersannen einen Ausweg: Sie wollten ein passendes Grundstück im
Stadtteil Poletown enteignen, dem Alterssitz polnischer Einwanderer. General Motors
akzeptierte, 104 Einwohner von Poletown haben jedoch vor dem Obersten Gerichtshof des
Staates Michigan Klage eingereicht. Sie weisen darauf hin, dass ihre Häuser für sie den
einzigen wertvollen Besitz darstellen und die stabile Nachbarschaft der polnischen Minderheit
in vielen Situationen Halt gegeben hat. Der Beklagte verweist auf den Nutzen dieser
Montagehalle für die Sicherung Tausender von Arbeitsplätzen und die Steuervorteile für die
Stadt Detroit. - Wie hättet ihr euch an Stelle der Richter entschieden?
(nach: Joseph Meran, Wirtschaftsphilosophie, Studienbrief der Fernuniversität Hagen)
Gruppe 1:
- man sollte ihnen den Besitz nicht wegnehmen, da es noch andere Bauflächen geben wird
- es sollte keine neue Halle, die nur aus Wettbewerbsgründen und Steuervorteilen gebaut werden soll, entstehen
Flugzeugentführung
Terroristen entführen ein Passagierflugzeug mit 82 Passagieren. Sie drohen mit der
Sprengung der Maschine, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden: Freilassung ihrer
Gesinnungsgenossen aus der lebenslänglichen Haft und ein Lösegeld von 20 Millionen. Wie
würden Sie an Stelle der Verantwortlichen in der Regierung in dieser Situation handeln?
(nach einem Fall aus den 70er Jahren)
Gruppe 1:
- zuerst sollen sie versuchen die Forderungen zu umgehen
- wenn es keine Alternativen gibt, sollte man auf die Forderung eingehen (Risiko des Verlustes von Menschenleben ist zu groß)
- Attentäter nicht entkommen lassen
Gruppe 2:
- Wenn keine Möglichkeit besteht, die Situation hinaus zu zögern, muss auf die Forderungen eingegangen werden. Wenn die Passagiere dann in Sicherheit sind, kann man sich immernoch überlegen, sich der Sache zu widersetzen.
- Stufe 3. Im Anbetracht der Umstände muss die Regierung sich zunächst um das Wohl der Passagiere kümmern und sich an die Regeln der Terroristen halten.
Ehrenwort
Ein Politiker hat einer Firma, die seiner Partei eine große Summe Geldes gespendet hat,
versprochen, ihren Namen geheim zu halten. Bald darauf wird die illegale Spendenpraxis
aufgedeckt und die Öffentlichkeit verlangt die Bekanntgabe des Spendernamens. Wie soll der
Politiker sich eurer Meinung nach verhalten.
(nach einem Fall aus den 90er Jahren)
Gruppe 1:
- der Politiker sollte zu seiner Tat stehen und den Namen des Spenders verraten
- er hätte sich schon vorher den Konsequenzen bewusst sein müssen
Gruppe 2:
- Der Politiker hat keine große Auswahl. Bei Bekanntgabe steht er negativ in der Presse da, bei Abstreiten und späterem Beweis ebenso. Der direkte Weg könnte ihm viel Ärger ersparen, er sollte also sofort zu seiner Aktion stehen.
- Stufe 1. Der Politiker steckt in einer ausweglosen Lage. Um weitern Schaden zu entgehen, muss er gestehen.
Nora
Bald nach ihrer Hochzeit mit dem Rechtsanwalt Torvald Helmer steht Nora in einer
schwierigen Situation. Ihr Mann ist lebensgefährlich erkrankt; für den erforderlichen
Genesungsaufenthalt im Süden des Landes müsste ein Darlehen aufgenommen werden. Ihr
Vater, der einzige, der für sie bürgen hätte bürgen können, ist vor drei Tagen gestorben. Nun
überlegt sie, ob sie die Unterschrift des Vaters fälschen soll. - Was würdet ihr Nora raten?
(nach Henrik Ibsen, Ein Puppenheim, 1879)
Gruppe 1:
- sie sollte nach Alternativen suchen
- es ist jedoch verständlich, wenn sie die Unterschrift fälschen würde
Gruppe 2:
- ein erforderlicher Genesungsaufenthalt , bei dem ein Menschenleben gerettet werden kann, wird von der Krankenkasse bezahlt - Nora hat keinen Grund, illegale Wege zu gehen, da ihr Mann Anspruch auf die Hilfe des Staates hat.
- Stufe 5. Um ein Menschenleben zu retten, ist er moralisch vertretbar wenn Nora das Gesetz bricht. Doch bleiben ihre legale Alternativen übrig.
- Vergleiche und diskutiere die Antworten mit deinem Tischnachbarn/Nachbarin!
- Überlege dir drei weitere Dilemmata und ordne sie den drei Kohlbergschen Stufen zu.
- Haben Frauen eine andere Moral als Männer?
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Viel Erfolg bei der Arbeit!
R.Eickmeier